
Schon seit meine Mitbewohner und ich in dieser Wohnung wohnen, beschweren sich die Nachbarn, die unter uns wohnen, über unseren angeblichen Lärm. Sie empfinden es als Lärmbelästigung, wenn wir abends vorm Schlafengehen duschen oder nachmittags unsere Stühle verrücken, um uns darauf zu setzen oder um darunter zu putzen.

Kurz vor Weihnachten erhielten dann meine Mitbewohner einen Brief in dem Stand, die Nachbarn würden nicht mehr mit uns reden wollen, denn das brächte ja sowieso nichts und sie würden sich etwas überlegen, wenn das so weiterginge. Meinem Mitbewohner Lillo sagten sie einmal als sie meckerten, von "der Deutschen" würden sie schon gar nicht mehr sprechen, die würde eh immer Rasau machen. Kurz nach den Weihnachtsferien riefen sie dann zum ersten Mal wegen unserer angeblichen Ruhestörung die Polizei. Die traf ein, als wir gerade friedlich in der Küche saßen und zu abend aßen. In den letzen Wochen war die Polizei nun insgesamt 5 Mal hier.

Als ich letzten Montag kurz vor 19 Uhr die Küche putzte und meine Mitbewohner alle unterwegs waren, klopfte es auf einmal an der Tür als wolle sie jemand einschlagen. Als ich noch auf dem Weg zur Tür war, hatte der Nachbar von unten diese bereits aufgerissen und war in den Flur gestürmt, denn unglücklicherweise ist außen eine Klinke angebracht, so dass man die Tür immer öffnen kann, wenn nicht abgeschlossen ist. Jedenfalls stand der Nachbar schon vor mir im Flur als ich zur Küchentür heraustrat.

Vollkommen außer sich fing er an zu brüllen, was mir den einfiele solch einen Lärm mit den Stühlen zu machen, nahm einen der Stühle und knallte ihn auf den Fußboden. Dann riss er mir so sehr an meinem Pulli, dass die Nähte krachten und ich auf ihn zugehen musste. Im gleichen Moment hielt er mir immer noch schreiend die Faust ins Gesicht. Immer noch vollkommen wuntentbrannt fing er zudem an mich mit der anderen Hand an der Schulter zu stupsen. Ich hatte wirklich Angst vor diesem Wahnsinnigen und konnte nichts erwiedern, außer zu fragen ob er verrückt sei. Er schrie nur, dass meine Mitbewohner und ich verrückt seien, wich aber nicht von der Stelle und ließ mich nicht in Ruhe. Ich war völlig in Panik, fühlte mich ernsthaft bedroht und wollte nur dass er verschwindet, schaffte es aber nicht ihn loszuwerden. Seine Frau stand die ganze Zeit über hinter ihm im Hausflur und unternahm rein gar nichts. Sagte dann nur irgendwann leise etwas wie "Basta, Franco" zu ihm. Ich weiß nicht mehr wie, aber irgenwann waren sie dann raus und ich schloss panisch die Tür ab.

Danach gingen die beiden in unserem Haus von Tür zu Tür und versuchten offensichtlich die Nachbarn aufzuhetzen.
Kurze Zeit später kamen zwei meiner Mitbewohner nach Hause. Ich erzählte ihnen was passiert war und Beatriz versuchte den Vermieter anzurufen als es an der Tür klingelte und die Polizei hereinkam. Sie begannen mal wieder uns zu belehren wir müssten die Regeln der Ruhezeiten beachten, aber ich unterbrach sie und erzählte meine Geschichte.

Die Polizisten konnten gar nicht glauben was ich da erzählte und fragten mehrmals nach ob das stimme was ich da erzähle zumal sie sagten sie wären quasi zur selben Zeit, zu der das ganze passiert war, von unseren Nachbarn angerufen worden waren. Offensichtlich hatten die also vorher angerufen und waren dann erst hochgekommen.
Die Beamten sagten mir dann, dass ich bei der Questura, der zuständigen örtlichen Behörde, Anzeige erstatten könne. Genau das tat ich dann am nächsten Morgen in Begleitung meiner Mitbewohner.

Jetzt wollen wir alle nur noch hier raus. Leider haben meine Mitbewohner im Mietvertrag 3 Monate kündigungsfrist und können daher erst frühestens ende April hier raus. Ich habe daher beschlossen mir allein irgendwas zu suchen, damit ich so schnell wie möglich hier raus kann...

Es gab aber auch noch andere Ereignisse, die weniger negativ waren. Mit meinem Chor war ich nämlih mal wieder auf "Kurztournee": wir sind mit dem Reisebus nach Bordighera an der Ligurischen Küste ("Blumenriviera") gefahren. Dort hatten wir ein Konzert in einer ehemaligen Kirche. Das war wirklich ein schöner Ausflug! Die Ligurische Küste ist wunderschön, alles blüht, die Sonne strahlte, wir saßen am Strand und sangen in dieser Ex-Kirche die unter Palmen steht.


Dann kam Svenja zu Besuch und machte mit mir zunächst Cremona und dann Venedig unsicher. Sie wollte nämlich sooo gerne mal dahin, und ich wollte nur aus diesem Irrenhaus hier raus, also waren wir zwei Tage da.
Dann gab es noch ein trauriges Ereignis: Marianne ist weg. Für sie ist die Austauschzeit vorbei und sie geht zurück nach München. Ich wollte ja eigentlich nie so viel mit den anderen Austausch-Studenten zu tun haben,

schon gar nicht mit den deutschen. Bei Marianne, war das aber irgenwie was anderes. Auch wenn sie entgegen unserer Abmachung dauernd deutsch mit mir gesprochen hat, ich war froh, dass sie da war. Besonders an dem Abend als das mit den Nachbarn war. Jedenfalls hat sie am Donnerstag ihren Abschied gefeiert und ist nun weg. Nebenan ist unser Abschiedsfoto zu sehen...