Freitag, 21. Dezember 2007

Bald ist Weihnachtsabend da...

Wieder ist viel passiert. In den letzten Wochen fing ich dann tatsächlich doch noch an mich weihnachtlich zu fühlen. Wir haben jeden Adventssonntag unseren Adventskaffee abgehalten, Plätzchen gebacken und Weihnachtskonzerte gehabt. In Mailand bin ich über den zugegebenermaßen recht mickrigen und nicht richtig weihnachtlichen Weihnachtsmarkt geschlendert und wir haben im Cremoneser Dom Vivaldis Gloria und Bachs Magnificat gehört.

Und dann waren da ja noch die Lauree - also die Bachelor- und Master-Verteidigungen mit anschließender Feier. In Cremona ist das total schön und feierlich: Zur mündlichen Verteidigung der Abschlussarbeiten kommen nicht nur Proffessoren und interessierte Kommilitonen, sondern auch die ganze Familie des Kandidaten inklusive Tanten, Onkeln, Cousins, Omas und Opas sowie die besten Freunde. Sara nach der Verteidigung ihrer Tesi di Laurea specialisticaIch habe mir auch die Verteidigungen von Francesco aus unserem Chor und die von Sara angehört, die ich damals in Berlin als ERASMUS-Studentin kennengelernt hab. So eine feierliche Stimmung hab ich bei solchen Gelegenheiten hier in Deutschland nicht erlebt...

Danach hat Sara mich noch zum Anstoßen mit Familie und Freunden eingeladen. Ihre Freunde haben sie dann gezwungen dieses T-Shirt zu tragen, sich so einen Kranz aufzusetzen, der wohl Glück bringt und mitten im Corso Garibaldi Sekt aus der Flasche zu trinken.

Luisa und Marianne beim Teig knetenDa der Ofen bei mir zu Hause defekt ist haben wir bei Cinzia und Alice zu Hause Plätzchen gebacken. Das hat unheimlich viel Spaß gemacht. Marianne und ichDa die Italienerinnen das zum ersten Mal gemacht haben, war es wie mit Kindern Plätzchen zu backen. Diese strahlen den Augen, die konzentrierten Gesichter und dann der Stolz...Cinzia

Marianne, Cinzia und Alice Die Plätzchen sind dann auch echt gut geworden. Himmlisch, wenn man mich fragt!





Dann mussten die Plätzchen natürlich auch gegessen werden. Das war aber kein großes Problem:Daniele, Ananda und MarianneElisa und ich innerhalb von kürzester Zeit hatten unsere italienischen Freunde die Plätzchen am folgenden Adventssonntag weggefuttert...
Noemi und AnandaEs war mal wieder sehr gemütlich, wir haben schöne Gespräche geführt und einfach die Zeit genossen. Auf meine Bitte hin haben dann alle noch "Tu scendi dalle stelle" für uns deutsche gesungen, die wir das nicht kannten. Anschließend waren wir beim Weihnachtskonzert im Dom, wo mich auf einmal eine weihnachtliche Stimmung überschwappte ;-)



während der Busfahrt, Chorleiterin Ingrid im VordergrundAm Dienstag hatten wir dann unser erstes großes Konzert mit dem Chor: eine ganze Stunde lang Weihnachtsmusik. singen während der Busfahrt: Carlo, Carlotta, Guglielmo und Luisa
Wir sind dafür nach Reggio Emilia gefahren, eine Stadt, die ca. eineinhalb Stunden mit dem Bus südlich von Cremona liegt. Das Konzert war wieder Erwarten echt schön. Aber auch die Fahrt hat Spaß gemacht! Ich freu mich schon auf die nächsten Chorfahrten...
Coro della Facoltà di Musicologia
in concert

Montag, 10. Dezember 2007

Advent, Advent ...

In letzter Zeit wurde ich mehrfach gefragt, wie denn die Adventszeit hier in Cremona so sei. Da das ein Thema zu sein scheint, was mehrere von euch interessiert, habe ich beschlossen hier mal für alle davon zu berichten...
Wie wahrscheinlich inzwischen überall auf der Welt ist auch hier die Weihnachtszeit für viele sehr stressig. Alle Musiker wissen, dass zum Advent und an Weihnachten immer unzählige Konzerte anstehen. So auch hier: mit unserem Chor haben wir in den nächsten 9 Tagen vier Konzerte: eins im Cremoneser Krankenhaus, eins in einer Kirche hier in der Nähe eins in Reggio Emilia und dann das Weihnachtskonzert unserer Fakultät. Heute habe ich mich mal hingesetzt und meine Stimme geübt. Wir haben nämlich ein Programm aus 20 Stücken, von denen einige wirklich schwierig sind, zu bewältigen.
Ansonsten habe ich ja schon berichtet, dass die ersten Weihnachtsdekorationen schon ende Oktober in den Straßen hingen.
Marianne und ich haben beschlossen, dass wir der weihnachtlichen Hektik ein bisschen Besinnlichkeit und Gemütlichkeit entgegensetzen wollen. Ananda, Marianne und Cinzia am ersten AdventDeshalb organisieren wir jetzt jeden Adventssonntag einen Adventskaffee/tee mit unseren Freunden. Selbstgebackene Kekse aus Deutschland, Printen, Glühwein, Kerzenschein und Weihnachtsmusik. Unsere italienischen Freunde waren alle ganz begeistert davon. Viele meinten soetwas gäbe es hier in Italien nicht: niemand bäckt hier selbst Plätzchen. Kerzen sind nur Deko und sich mal gemülich zusammensetzen war für viele auch etwas Neues.
Der Nikolaustag wird hier leider gar nicht gefeiert, dabei ist doch ganz Italien ein riesiger Stiefel, der gefüllt werden könnte...
Aber mal im Ernst: in Bari, wo der heilige Nikolaus begraben ist (wie Judith und ich letztes Jahr gesehen haben), feiert man wohl doch den 6. Dezember. Ansonsten kommt hier in Itralien am Morgen des 25. Dezembers der Babbo Natale und am 6. Januar die Befana. Kennt ihr die Geschichte der Befana? Ich find sie toll: Befana ist eine Hexe, die damals durch die drei heiligen Könige von Jesù Geburt erfahren hat. Weil sie aber zu spät aufgebrochen ist (sie hat mit der Hausarbeit getrödelt), hat sie den "Stern von Betlehem", der sie zur Krippe führen sollte, verpasst. Seit dem fliegt sie jedes Jahr am 6. Januar, von Haus zu Haus und und bringt den Kindern Geschenke - in der Hoffnung das eines von ihnen das Jesuskind wäre...

Ich hatte ja letztens schon mal erwähnt, dass in der Piazza Roma eine kleine Eisbahn aufgebaut worden ist. Neulich waren wir da Schlittschuhlaufen - allerdings war es nicht wirklich schön: die Bahn ist so winzig, dass man nen Drehwurm bekommt, die Ausleih-Schlittschuhe sind unbequem und dann fing es auch noch an zu regnen...

Neulich habe ich hier übrigens meinen ersten italienischen Döner gegessen. Er war erwartungsgemäß ziemlich schlecht: pappiges Brot, fettes Fleisch, kaum Gemüse und die Soße war auch nicht gut. Eigentlich wollten die auch Pommes und Ketchup rein tun, aber das hab ich gleich verboten. Unglaublich was für eine Geschmacksverirrung! Ich will nen Berliner Döner!!! Was hier dagegen sehr gut schmeckt, ist ein italienisches "Fastfood": Piadina! Das sind so flammkuchenartige Fladen, die mit leckeren Zutaten gefüllt werden. Mhhhmjam ;-)

Seit dem 19. November haben wir ja hier neue Kurse, weil das neue Trimester angefangen hat. Marianne, Cinzia, Ananda und ich in der OperIn einem meiner Kurse sitzen auch die Liutai (Seiteninstrumentenbauer), die sich auf Barockinstrumente spezialisieren: In dem Kurs "Storia della prassi esecutiva" (Geschichte der musikalischen Aufführungspraxis) sind also Musikwissenschaftler und Geigenbauer vereint. Einerseits ist das toll, weil die Liutai uns einiges zu den Instrumenten dieser Zeit erklären können. Andererseits hält es auch ein bisschen auf, denn sie stellen manchmal solche Fragen wie: "Wie schreibt man 'Dufay'?" oder "Was ist ein Melisma?" und erwarten dann einer ausführliche Erklärung.

In einem meiner anderen Kurse, Etnomusicologia, war neulich eine Koryphäe der Musiketnologie zu Gast: Prof. Kofi Agawu von der Princeton University hat uns einiges zum Rhythmus und Symbolismus von afrikanischer Musik erklärt, was wirklich toll und total interessant war.

Cremoneser OpernhausAber auch in der Freizeit lasse ich hier kein kulturelles Highlight aus: am Freitag waren wir beim "Public Viewing" im hiesigen Opernhaus. Dort wurde nämlich der Eröffnungsabend aus dem Mailänder Teatro alla Scala live übertragen. Es war der Hammer: absolute Starbesetzung mit Daniel Barenboim als Dirigent, Patrice Chéreau als Regisseur, Waltraut Meier als Isolde und Matti Salminen als König Marke, um nur die wichtigsten zu nennen. War wirklich ein toller Abend! Habe festgestellt, dass "Tristan und Isolde" mir doch sehr gefällt. Muss wohl an der schlechten Inszenierung in Berlin gelegen haben, dass es mir vorher nicht gefallen hat...

Heute ist kein schöner Tag: erstens bin ich seit einigen Tagen schon wieder total erkältet und außerdem war es heute mal wieder den ganzen Tag über neblig. Heute konnte ich den Torrazzo von meinem Balkon aus noch nichtmal erahnen. Auch jetzt, wo es dunkel und der Torrazzo beleuchtet ist, sieht man ihn nicht. Das ist nämlich einer der großen Nachteile der "pianura padana" (Po-Ebene): Die große Luftfeuchtigkeit, die im Winter oft Nebel mit sich bringt. Vielleicht bin ich ja deswegen schon wieder erkältet.

Am Donnerstag werden hier einige meiner Kommillitonen ihren "Laurea"-Titel erhalten, also einige schließen den Bachelor ab, andere den Master. Dementsprechend wird wohl ordentlich gefeiert werden. Wenn hier jemand feiert, egal wer, ist es üblich einfach irgendwelche Leute mirzubringen, auch wenn sie nicht explizit eingeladen sind. Hier geht einfach jeder zu Jedermanns Festen. Ich weiß noch nicht ob ich diese Angewohnheit gut oder schlecht finden soll, aber uns deutschen ist es hier schon ein paar Mal passiert, dass wir gefragt wurden warum wir unsere Freunde/Mitbewohner nicht mitgebracht hätten und als wir dann meinten sie wären nicht eingeladen wurden wir dumm angegeuckt: "Aber hier ist JEDER eingeladen..."

Montag, 19. November 2007

Cremona la dolce

Stimmt: es ist jetzt schon etwas länger her, dass ich geschrieben hab. Hätte nicht gedacht, dass einige von Euch so schnell schon meine News vermissen würden...

Am besten berichte ich in chronologischer Reihenfolge. Wie neulich schon angedeutet hatte ich inzwischen meinen ersten Auftritt mit unserem Fakultätschor. Rückseite des Doms von CremonaZur "Einweihung" des akademischen Jahres wurde nämlich im Teatro Monteverdi ein Hausmusikabend veranstaltet. Das studentische Organisationskommitee hatte von Unigeldern das Theater und einen Flügel angemietet und ein kostenloses Buffet und Getränke organisiert. Zunächst aber fand das Konzert statt. Ich war erstaunt von dem was auf dem Programmzettel stand: klassische Gitarristen die Granados und de Falla, aber auch "Neue Musik" spielten, ein Streichquartett, das Paganini spielte, ein Marimbaphon-Vibrafon-Duo, ein Pop-Sänger und eben wir, der Coro della Facoltà. Leider hielten die Interpreten nicht immer ganz was sie versprachen. Obwohl die Italiener fast alle neben der Uni noch am Konservatorium studieren, waren nur wenige von den Interpreten wirklich gut. Hervorragend waren allerdings das Marimba-Vibrafon-Duo und der Gitarrist der ein sehr avantgardistisches Stück Neuer Musik (Sonata op. 47 von Alberto Ginasta) vortrug. Zu guter Letzt waren dann wir mit dem Chor dran. Fröhliche WeihnachtDie Akustik im Theater war sehr trocken, was viele von uns noch zusätzlich verunsichert hat. Letztendlich haben wir die Stücke aber recht passabel hinbekommen und wurden sogar zu einer Zugabe aufgefordert. Danach wurde dann gefeiert. Leider war sehr schnell der Wein alle und um halb 12 wurden wir dann alle rausgeschmissen :-(
In der Chorprobe am darauf folgenden Tag haben wir dann mit der Einstudierung des Weihnachtsrepertoires begonnen. Auch das ist wieder ein Querschnitt durch alle Epochen.

die halbfertige OrgelIm Rahmen meines Organologia-Kurses habe ich die Restaurierung einer kleinen Orgel miterlebt. Zur Musikinstrumentensammlung unserer Fakultät gehört nämlich ein neapolitanisches Positiv aus dem Jahr 1833. Wir konnten an zwei Tagen den Restauratoren über die Schultern sehen und sie haben so ziemlich jedes Detail dieses Instrumentes erklärt. Leider hab ich nicht alles verstanden. Aber eines ist mir jetzt klar: So eine Orgel ist echt ein Wunderwerk des Instrumentenbaus...

Letzte Woche standen für uns alle Prüfungen an. Aula Magna - der große VorlesungssaalDie Italiener sind wirklich alle sehr fleißig. Die fangen nicht erst kurz vor den Prüfungen an zu büffeln, sondern pauken eigentlich das ganze Trimester über. Egal ob unter der Woche oder am Wochenende: viele nutzen echt jede Minute zum Lernen. Nach dem Chor noch was trinken gehn? "Nee, ich muss noch lernen!" Am Samstag abend ins Kino? "Nee, ich muss mit dem Lernstoff vorankommen, bin in Verzug!"...
Inzwischen habe ich herausgefunden dass die dann wirklich intensiv lernen. Konnte ich mir gar nicht vorstellen, aber es ist wirklich so. Aber auch ich habe natürlich gelernt. Während die Italiener unermüdlich schienen, habe ich mir allerdings immer wieder mal Pausen gegönnt. Schiss, dass ich es nicht schaffe, hatte ich schon, aber dann ist die Prüfung richtig gut gelaufen. Auch sprachlich war es erstaunlicherweise gar kein Problem.

Schwimmzubehör mit Badekappe :-( In meinen "Pausen" bin ich unter anderem auch Schwimmen gegangen. Das hiesige Schwimmbad hat leider nur ein 25 m Becken und ist meistens leider sehr überfüllt. Was auch doof ist, ist die Tatsache, dass Badekappen-Zwang herrscht. Und die Italiener schwimmen immer nur 25 m und machen dann Pause, weswegen man am Beckenrand nur selten wenden kann. Einmal war da während ich Schwimmen war, ein Schwimmkurs mit Jugendlichen. Die haben gerade Ziehen, Schleppen und Transportieren geübt. War sehr lustig ihnen zuzusehen, weil sie sich bei den Übungen so dumm angestellt haben.

Weihnachtliche BeleuchtungPassend zu den bestandenen Prüfungen stand dieses Wochenende das "Festa del Torrone" an. Für alle die ihn nicht kennen: Torrone ist eine typische Cremoneser Süßware, die aus Eiweiß, Mandeln, Nüssen, Honig und manchmal noch anderen Zutaten hergestellt wird. SEHR LECKER! Jedenfalls ist dieses "Festa del Torrone" hier ein riesiges Ereignis. Touristen strömen in die Stadt und das Zentrum ist dann voller Stände mit Süßkram. Zur Feier des Tages waren auch zum ersten Mal die Weihnachtsgirlanden erleuchtet und geschmückte Tannenbäume aufgestellt worden. Außerdem gab es ein mittelalterliches Spektakel und eine Lichtshow. Das konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen! Also bin ich mit Ananda, einer sehr netten Kommilitonin, losgezogen. Es ist unglaublich in welch tollen Varianten es Torrone gab. An einigen Ständen wurde mir von den Verkäufern hinterhergerufen: "Bionda, vuoi provare?" - natürlich wollte ich probieren! Hhhhmmm mjam! Neben Torrone gab es auch tolle Schoko-Stände. Hab dann auch ein bisschen Torrone und Schoko mit nach Hause genommen...

Eine sehr schöne Angewohnheit der Italiener ist es übrigens sich beim Verabschieden sozusagen "viel Spaß" zu wünschen. Während wir da nicht weiter differenzieren gibt es hier aber die Möglichkeit sich "buona lezione", "buon lavoro", "buon studio", "buona spesa", "buon cinema" und all sowas zu wünschen. Das ist echt nett!

So und jetzt kommt ein Schmankerl für euch:


Auf dem Weg habe ich übrigens nicht nur Bauernhäuser und Hühner gesehen. Vor mir ist auch ein Feldhase über den Weg gehoppelt :-)
Die Strecke (4km = 1 h gelaufen) war zwar ganzschön weit zum Laufen, aber am Ende wurde ich ja dann belohnt, wie ihr oben seht. Anschließend habe ich mich von drei netten Touristen im Auto mit zurück nach Busseto nehmen lassen. In Busseto hatte ich dann noch ein wenig Zeit und habe mir die Casa Barezzi angesehen. Das ist das Haus, wo der Mäzen Verdis lebte und die städtische Musikpflege förderte. Dort hat mich ein netter Herr herumgeführt, der von der Tatsache, dass ich eine interessierte deutsche Musikwissenschaftsstudentin bin, so begeistert war, dass er mir den Eintritt erlassen und eines der verkäuflichen Bücher über die "Terre Verdiane" geschenkt hat. Danach bin ich dann mit der Bahn zurück nach Cremona gefahren (hat nur 2,20 € gekostet). War wirklich ein toller Tag!!!

Samstag, 3. November 2007

Unsere neue Mitbewohnerin

Seit etwa einer Woche haben wir eine neue Mitbewohnerin. Sie ist noch recht jung und sehr verspielt. Wenn sie Hunger hat, schleicht sie immer um den Kühlschrank und bettelt um Leckerbissen. Sie krabbelt auch gerne in unsere Kleiderschränke und macht es sich dann zwischen unseren Pullovern gemütlich. Und wenn man sie auf den Arm nimmt dann schnurrt sie...
Wie sie heißt? Sie hat leider noch keinen Namen. Ich habe aber beschlossen, dass sie dringend einen Namen braucht und werde mich deshalb mal mit meinen anderen Mitbewohnern zusammensetzen.

Tja, nun ist dieses verlängerte Wochenende (wegen Allerheiligen) hier zuende und ich habe das irgendwie gar nicht ausgenutzt. Erst war ich so erkältet, dass ich lieber im Bett geblieben bin und als es mir besser ging hatte ich keine Lust mehr groß etwas zu unternehmen. Außerdem musste ich unbedingt ein bisschen mit dem Lernen voran kommen. Davon hat mich letzte Woche vor allem die Tatsache gehindert, dass ich ein Referat halten musste. Mein Prof hatte beschlossen, dass ich als deutsche Muttersprachlerin ja dazu prädestiniert wäre die Erlkönig-Vertonungen von Carl Loewe und Franz Schubert zu analysieren und zu vergleichen. Gemeinsam mit einer Kommilitonin habe ich das dann also getan. Ich bin ganz stolz auf mich: habe trotz meiner Erkältung und dem dicken Kopf, den ich schon hatte, das Referat gehalten, frei gesprochen und das laut meinen Kommilitonen auch gut gemacht...
Die Italiener scheinen alle noch wesentlich mehr auf ihre Eltern fixiert zu sein. Mit vielen kann man am Wochenende nichts unternehmen, weil sie jedes Wochenende nach Hause fahren. Dieses Wochenende ist es besonders schlimm: nur diejenigen, die von ganz weit her kommen, sind noch in Cremona geblieben. Wenn man jemanden gefragt hat "Was machst Du dieses Wochenende?" war die Antwort "Ich fahre nach Hause, zu meinen Eltern" fast vorprogrammiert...
Wenn ich hier durch die Straßen gehe hab ich immer das Gefühl es ist schon Weihnachten. Seit mitte Oktober haben die Italiener nämlich angefangen die Straßen weihnachtlich zu schmücken. Inzwischen ist die ganze Stadt voller Weihnachtsgirlanden und Lichterketten - die allerdings noch nicht angeschaltet werden.
Gestern haben Marianne und ich beschlossen, dass wir den Italienern mal ein bisschen deutsche Weihnachtskultur beibringen müssen: wir wollen gemeinsam mit unseren jeweiligen Mitbewohnern Adventskränze basteln und Weihnachtsplätzchen backen und uns dann jeden Adventssonntag nachmittags mit den Italienern bei Kaffee und Weihnachtsgebäck an den Adventskranz setzen...

Und noch eine Eigenart der Italiener lässt mich immer wieder den Kopf schütteln: die Eigenart immer auf Vorrat zu kaufen als müsste man Angst haben eine Woche später nix mehr zu bekommen. Bei meinen Mitbewohnern geht das soweit, dass sie solche Massen an Pasta kaufen, dass unsere Schränke davor überplatzen. Andere Italiener kaufen im Supermarkt kiloweise Klopapier und neulich habe ich einen Mann gesehen, der einen ganzen Einkaufswagen voller Chipstüten gekauft hat. Die spinnen!

Sonntag, 21. Oktober 2007

Der schönste Arsch Italiens?

Davids Po
Zugegeben: das hier ist nur die Kopie an der Piazza della Signoria, aber ICH habe das Original gesehen! Ich war nämlich für zwei Tage in Florenz. Wir waren mal wieder mit meinem Kurs "Organologia musicale" unterwegs. Diesmal haben wir eine tolle Ausstellung von Musikinstrumenten in der Galleria dell´Accademia angesehen. Da gab es ein Spinett, das über und über mit Smaragden, Saphiren, Türkisen und anderen Edelsteinen verziert war, ein Cembalo, eine Gitarre und ein Psalter alle drei aus Mamor, eine schöne Stradivari-Geige sowie ein Ebenholz-Klavier vom Erfinder des modernen Klaviers uvm. Was aber fast noch toller war: im selben Gebäude steht der ECHTE DAVID von Michelangelo und noch andere tolle Skulpturen wie z.B. "Der Raub der Sabienerinnen" oder die "Pietà Palestrina". Und wir konnten uns alle ansehen ohne Eintritt zu zahlen und ohne ewig anstehen zu müssen...

Ponte VecchioDanach bin ich mit Marianne, auch eine deutsche Studentin, losgezogen. Wir hatten beide vor, noch mehr von der Stadt zu sehen. Wir sind aber erstmal über den Arno, wo wir von weitem die Ponte Vecchio gesehen haben, zu unserem Hostel gegeangen um einzuchecken und unser Gepäck abzuladen. Danach ging´s dann weiter: wieder zurück über die Nachbarbrücke der Ponte Vecchio.
an der Piazza della SignoriaDann ging es erst zur Piazza della Signoria, wo u.a. die Kopie des David steht, dann zum Dom, der von außen wunderschön und von innen enttäuschend ist, und dann mit dem Bus quer durch die ganze Stadt rauf zum Piazzale Michelangiolo, wo man diese wunderschöne Aussicht hatte...
Übrigens steht auch da eine Kopie des David - diese ist aber aus Bronze. Wir haben diese Aussicht genossen und sind deshalb zu Fuß runter. Danach haben wir erst mal in ein Cafè gesetzt und Latte Macchiato getrunken, weil uns kalt war. FlorenzLangsam wurde es dann dunkel und wir gingen mit all den anderen Tausend Touristen über die Ponte Vecchio und schauten die sündhaft teuren Auslagen der dortigen Juweliere an. Dann machten wir uns auf die Suche nach einem Lokal, das uns von einer Freundin von Marianne empfohlen worden war. Ponte vecchio in der Abenddämmerung
Da es dahin recht weit war, wollten wir Bus fahren. Das Problem dabei war nur, dass wir kein Ticket mehr kaufen konnten. Bustickets gibts hier in Italien schließlich nur in Tabakläden - und die hatten alle schon zu. Wir sind dann einfach schwarz gefahren. Als wir ankamen war das Lokal sooo überfüllt, dass wir gleich wieder kehrt machen mussten. Zum Glück haben wir dann noch eine Bar gefunden, die ebenfalls Aperitivo mit Buffet (allerdings etwas spärlicher als das Empfohlene) anbot. Das ist nämlich typisch italienisch: man bezahlt einen Aperitiv und kann dann am kalt-warmen Buffett schlemmen so viel man will. Piazza della Signoria
Am nächsten Tag sind wir dann zum Palazzo Pitti und haben uns neben der Gemäldegalerie und den Gemächern auch eine Ausstellung zu Operninszenierungen angesehen. Stand mit Pepperoncini-Deko an der Piazza Santa CroceDanach sind wir nochmal durch die Stadt und zum Piazza Santa Croce wo es neben der Schönen Kirche und den tollen Gebäuden einen tollen Bio-Markt gab auf dem man naschen konnte...
Danach kamen wir an einen schönen Platz auf dem ein Kinderfest aufgebaut worden war. Leider kam dann Sturm auf, Fahrräder und Mülltonnen fielen um und die Pavillons des Kinderfestes drohten abzuheben. Als es auch noch anfing zu nieseln sind wir in eine Pizzeria geflüchtet.

Jetzt bin ich schon seit einigen Tagen wieder zurück und der Alltag hat mich wieder. Heute hatte ich zum Beispiel wieder mal Chorprobe.Larissa in Florenz Da wir am 5. November unser erstes Konzert haben (Also nur noch eine Probe vorher) sind wir heute das Programm dafür durchgegangen. Total verrückt: ein polyphones Stück aus dem Barock, eine romantische Motette ("Locus iste") von Bruckner und ein sehr moderner Satz des Spirituals "Joshua fit the battle of Jericho". Was daran aber fast noch verrückter war als diese Zusammenstellung, ist de Tatsache, dass mindestens die hälfte des Chores zwei dieser Stücke noch nie zuvor gesungen hat. Heute war für uns "Neue" das erste Mal, dass wir diese Stücke gesungen haben. Zudem haben wir vorläufig keine Noten, weil es nicht ausreichend Kopien gab. Bin echt mal gespannt auf den 5. November!
Zu dem Spiritual lässt sich noch sagen, dass das ein wirklich toller Satz ist, den die "alten" Chormitglieder auch toll interpretieren - aber dieser italienische Akzent ist irgendwie seeehr gewöhnungsbedürftig.

Sonntag, 14. Oktober 2007

Milano

Gitarrenharfe im Castel SfortescoAm Freitag haben wir mit einem meiner Kurse eine Exkursion zum Musikinstrumentenmuseum in Milano gemacht. Die haben da vielleicht tolle Sachen! Sehr beeindruckt hat mich zum Beispiel diese Gitarren-Harfe hier.

Piazza MercantiIch hatte schon vorher beschlossen, die Gelegenheit auszunutzen und danach noch länger zu bleiben und mir Milano mal etwas genauer anzusehen. Das hab ich dann nach einer Latte-Macchiato-Pause auch getan. Zuerst gings durch die Fußgängerzone zur Piazza Mercanti, einem der ältesten Plätze Mailands.

Piazza del DuomoDanach bin ich dann direkt weiter zur Piazza del Duomo. Da war die Hölle los: irgendwie haben da Schüler gegen eine Reform des Bildungsministeriums protestiert und offenbar war auch irgendein Star da, denn zeitweise fingen v.a. die Mädels an hysterisch zu kreischen wie auf nem Popkonzert.

Da ich mir das Ganze lieber aus der Distanz ansehen wollte und sowieso schon total gespannt war auf den Dom zu steigen hab ich denselbigen also einmal halb umrundet und hab mich dann an den Aufstieg gemacht.
Mailänder DomMarmormassenGalleria Vittorio Emanuele von obenLaufstegLeonardos Aufzug vor den riesigen Kirchenfenstern
Schon toll diese Architektur, die Massen an Mamor und dann dieser "Laufsteg" auf dem Dachfürst - DER Hammer!!! Drinnen war es aber mindestens genauso beeindruckend. Nicht so überladen wie viele andere italienische Kirchen. Dafür riesige tolle bunte Fenster, vier (!) riesige Orgeln und ein von Leonardi da Vinci höchstpersönlich konstruierter Aufzug zu der heiligen Reliquie an der Decke. Angeblich haben die da nämlich nen Nagel vom Kreuz Jesù...

Danach bin ich dann zum Grab des Mannes gefahren, den viele Musikliebhaber vergöttern:Casa di Riposo Giuseppe Verdi liegt nämlich in einer kleinen Kapelle im Innenhof seiner Casa di Riposo - einem von ihm durch eine Stiftung gegründeten Altersheim für verarmte Musiker - begraben. Tatsächlich scheinen da auch heute noch Musiker zu wohnen. Jedenfalls hörte man im Innenhof unabhängig voneinander einen Sänger und einen Violinisten/in proben und der Rest des Gebäudes war auch nicht zugänglich für die Öffentlichkeit.

einer der Navigli
Anschließend wollte ich mal das etwas andere Milano sehen.Idylle im Ticinese-ViertelUnd tatsächlich: Im Viertel Ticinese bei den Navigli (kleine Kanäle/Grachten) herrschte eine Idylle und Ruhe vor wie man sie in Milano nie erwarten würde. Hübsche kleine Häuschen und unzählige Brücken über die kleinen Kanäle. Das war echt schön!

Galleria Vittorio Emanuele, außenVon da aus bin ich dann zurück zum Zentrum gelaufen. Auf dem Weg hab ich zufällig DEN Punker-Treffpunkt Mailands entdeckt. Galleria Vittorio Emanuele, innenDa bin aber lieber schnell weiter. Zum Schluss noch einmal durch die Galleria Vittorio Emanuele, an der Scala vorbei und dann zur U-Bahn.
Hier sieht man jetzt die Scala. Dort habe ich zwar noch keine Oper gesehen, dafür aber hier in Cremona.Teatro alla Scala Im Teatro Ponchielli hab ich neulich nämlich mit ein paar Kommilitonen "The Turn of the Screw" von Benjamin Britten gesehen. Ich fand das Stück großartig und war total überrascht von der Qualität dieses Opernhauses. Zwar können die hier nicht mit einer Staatsoper mithalten, aber Sänger und Musiker waren wirklich gut und auch die Inszenierung war nicht schlecht.

Eines muss ich jetzt noch loswerden: mir ist aufgefallen, dass die Italiener oft übermäßig förmlich sind. Wenn man zum Beispiel andere Studenten kennenlernt und einer fragt "Come ti chiami?" also: "Wie heißt Du?", dann schütteln sich beide die Hände nennen sich ihre Vornamen und sagen "piacere" - also sowas wie "angenehm". Irgendwie passt das nicht in mein Weltbild...