Sonntag, 21. Oktober 2007

Der schönste Arsch Italiens?

Davids Po
Zugegeben: das hier ist nur die Kopie an der Piazza della Signoria, aber ICH habe das Original gesehen! Ich war nämlich für zwei Tage in Florenz. Wir waren mal wieder mit meinem Kurs "Organologia musicale" unterwegs. Diesmal haben wir eine tolle Ausstellung von Musikinstrumenten in der Galleria dell´Accademia angesehen. Da gab es ein Spinett, das über und über mit Smaragden, Saphiren, Türkisen und anderen Edelsteinen verziert war, ein Cembalo, eine Gitarre und ein Psalter alle drei aus Mamor, eine schöne Stradivari-Geige sowie ein Ebenholz-Klavier vom Erfinder des modernen Klaviers uvm. Was aber fast noch toller war: im selben Gebäude steht der ECHTE DAVID von Michelangelo und noch andere tolle Skulpturen wie z.B. "Der Raub der Sabienerinnen" oder die "Pietà Palestrina". Und wir konnten uns alle ansehen ohne Eintritt zu zahlen und ohne ewig anstehen zu müssen...

Ponte VecchioDanach bin ich mit Marianne, auch eine deutsche Studentin, losgezogen. Wir hatten beide vor, noch mehr von der Stadt zu sehen. Wir sind aber erstmal über den Arno, wo wir von weitem die Ponte Vecchio gesehen haben, zu unserem Hostel gegeangen um einzuchecken und unser Gepäck abzuladen. Danach ging´s dann weiter: wieder zurück über die Nachbarbrücke der Ponte Vecchio.
an der Piazza della SignoriaDann ging es erst zur Piazza della Signoria, wo u.a. die Kopie des David steht, dann zum Dom, der von außen wunderschön und von innen enttäuschend ist, und dann mit dem Bus quer durch die ganze Stadt rauf zum Piazzale Michelangiolo, wo man diese wunderschöne Aussicht hatte...
Übrigens steht auch da eine Kopie des David - diese ist aber aus Bronze. Wir haben diese Aussicht genossen und sind deshalb zu Fuß runter. Danach haben wir erst mal in ein Cafè gesetzt und Latte Macchiato getrunken, weil uns kalt war. FlorenzLangsam wurde es dann dunkel und wir gingen mit all den anderen Tausend Touristen über die Ponte Vecchio und schauten die sündhaft teuren Auslagen der dortigen Juweliere an. Dann machten wir uns auf die Suche nach einem Lokal, das uns von einer Freundin von Marianne empfohlen worden war. Ponte vecchio in der Abenddämmerung
Da es dahin recht weit war, wollten wir Bus fahren. Das Problem dabei war nur, dass wir kein Ticket mehr kaufen konnten. Bustickets gibts hier in Italien schließlich nur in Tabakläden - und die hatten alle schon zu. Wir sind dann einfach schwarz gefahren. Als wir ankamen war das Lokal sooo überfüllt, dass wir gleich wieder kehrt machen mussten. Zum Glück haben wir dann noch eine Bar gefunden, die ebenfalls Aperitivo mit Buffet (allerdings etwas spärlicher als das Empfohlene) anbot. Das ist nämlich typisch italienisch: man bezahlt einen Aperitiv und kann dann am kalt-warmen Buffett schlemmen so viel man will. Piazza della Signoria
Am nächsten Tag sind wir dann zum Palazzo Pitti und haben uns neben der Gemäldegalerie und den Gemächern auch eine Ausstellung zu Operninszenierungen angesehen. Stand mit Pepperoncini-Deko an der Piazza Santa CroceDanach sind wir nochmal durch die Stadt und zum Piazza Santa Croce wo es neben der Schönen Kirche und den tollen Gebäuden einen tollen Bio-Markt gab auf dem man naschen konnte...
Danach kamen wir an einen schönen Platz auf dem ein Kinderfest aufgebaut worden war. Leider kam dann Sturm auf, Fahrräder und Mülltonnen fielen um und die Pavillons des Kinderfestes drohten abzuheben. Als es auch noch anfing zu nieseln sind wir in eine Pizzeria geflüchtet.

Jetzt bin ich schon seit einigen Tagen wieder zurück und der Alltag hat mich wieder. Heute hatte ich zum Beispiel wieder mal Chorprobe.Larissa in Florenz Da wir am 5. November unser erstes Konzert haben (Also nur noch eine Probe vorher) sind wir heute das Programm dafür durchgegangen. Total verrückt: ein polyphones Stück aus dem Barock, eine romantische Motette ("Locus iste") von Bruckner und ein sehr moderner Satz des Spirituals "Joshua fit the battle of Jericho". Was daran aber fast noch verrückter war als diese Zusammenstellung, ist de Tatsache, dass mindestens die hälfte des Chores zwei dieser Stücke noch nie zuvor gesungen hat. Heute war für uns "Neue" das erste Mal, dass wir diese Stücke gesungen haben. Zudem haben wir vorläufig keine Noten, weil es nicht ausreichend Kopien gab. Bin echt mal gespannt auf den 5. November!
Zu dem Spiritual lässt sich noch sagen, dass das ein wirklich toller Satz ist, den die "alten" Chormitglieder auch toll interpretieren - aber dieser italienische Akzent ist irgendwie seeehr gewöhnungsbedürftig.

Sonntag, 14. Oktober 2007

Milano

Gitarrenharfe im Castel SfortescoAm Freitag haben wir mit einem meiner Kurse eine Exkursion zum Musikinstrumentenmuseum in Milano gemacht. Die haben da vielleicht tolle Sachen! Sehr beeindruckt hat mich zum Beispiel diese Gitarren-Harfe hier.

Piazza MercantiIch hatte schon vorher beschlossen, die Gelegenheit auszunutzen und danach noch länger zu bleiben und mir Milano mal etwas genauer anzusehen. Das hab ich dann nach einer Latte-Macchiato-Pause auch getan. Zuerst gings durch die Fußgängerzone zur Piazza Mercanti, einem der ältesten Plätze Mailands.

Piazza del DuomoDanach bin ich dann direkt weiter zur Piazza del Duomo. Da war die Hölle los: irgendwie haben da Schüler gegen eine Reform des Bildungsministeriums protestiert und offenbar war auch irgendein Star da, denn zeitweise fingen v.a. die Mädels an hysterisch zu kreischen wie auf nem Popkonzert.

Da ich mir das Ganze lieber aus der Distanz ansehen wollte und sowieso schon total gespannt war auf den Dom zu steigen hab ich denselbigen also einmal halb umrundet und hab mich dann an den Aufstieg gemacht.
Mailänder DomMarmormassenGalleria Vittorio Emanuele von obenLaufstegLeonardos Aufzug vor den riesigen Kirchenfenstern
Schon toll diese Architektur, die Massen an Mamor und dann dieser "Laufsteg" auf dem Dachfürst - DER Hammer!!! Drinnen war es aber mindestens genauso beeindruckend. Nicht so überladen wie viele andere italienische Kirchen. Dafür riesige tolle bunte Fenster, vier (!) riesige Orgeln und ein von Leonardi da Vinci höchstpersönlich konstruierter Aufzug zu der heiligen Reliquie an der Decke. Angeblich haben die da nämlich nen Nagel vom Kreuz Jesù...

Danach bin ich dann zum Grab des Mannes gefahren, den viele Musikliebhaber vergöttern:Casa di Riposo Giuseppe Verdi liegt nämlich in einer kleinen Kapelle im Innenhof seiner Casa di Riposo - einem von ihm durch eine Stiftung gegründeten Altersheim für verarmte Musiker - begraben. Tatsächlich scheinen da auch heute noch Musiker zu wohnen. Jedenfalls hörte man im Innenhof unabhängig voneinander einen Sänger und einen Violinisten/in proben und der Rest des Gebäudes war auch nicht zugänglich für die Öffentlichkeit.

einer der Navigli
Anschließend wollte ich mal das etwas andere Milano sehen.Idylle im Ticinese-ViertelUnd tatsächlich: Im Viertel Ticinese bei den Navigli (kleine Kanäle/Grachten) herrschte eine Idylle und Ruhe vor wie man sie in Milano nie erwarten würde. Hübsche kleine Häuschen und unzählige Brücken über die kleinen Kanäle. Das war echt schön!

Galleria Vittorio Emanuele, außenVon da aus bin ich dann zurück zum Zentrum gelaufen. Auf dem Weg hab ich zufällig DEN Punker-Treffpunkt Mailands entdeckt. Galleria Vittorio Emanuele, innenDa bin aber lieber schnell weiter. Zum Schluss noch einmal durch die Galleria Vittorio Emanuele, an der Scala vorbei und dann zur U-Bahn.
Hier sieht man jetzt die Scala. Dort habe ich zwar noch keine Oper gesehen, dafür aber hier in Cremona.Teatro alla Scala Im Teatro Ponchielli hab ich neulich nämlich mit ein paar Kommilitonen "The Turn of the Screw" von Benjamin Britten gesehen. Ich fand das Stück großartig und war total überrascht von der Qualität dieses Opernhauses. Zwar können die hier nicht mit einer Staatsoper mithalten, aber Sänger und Musiker waren wirklich gut und auch die Inszenierung war nicht schlecht.

Eines muss ich jetzt noch loswerden: mir ist aufgefallen, dass die Italiener oft übermäßig förmlich sind. Wenn man zum Beispiel andere Studenten kennenlernt und einer fragt "Come ti chiami?" also: "Wie heißt Du?", dann schütteln sich beide die Hände nennen sich ihre Vornamen und sagen "piacere" - also sowas wie "angenehm". Irgendwie passt das nicht in mein Weltbild...

Mittwoch, 10. Oktober 2007

Touristin und Studentin

Von Sonntag bis Dienstag waren meine Eltern hier um mich zu besuchen und mir noch weitere 20 kg meiner Sachen zu bringen. Daher habe ich ihnen dann die Stadt gezeigt und alles besichtigt was zu besichtigen war. Da ich ja aber auch Vorlesungen hatte musste ich nun dauernd zwischen Unialltag und Touristendasein hin- und herwechseln. Das war vielleicht ein merkwürdiges Gefühl...
Hier habe ich einige Fotos von unseren Spaziergängen beigefügt. Oben sieht man mich zum Beispiel neben Claudio Monteverdi stehen. Er wurde hier geboren und hat hier seine Ausbildung zum Musiker absolviert ehe er nach Mantua und später nach Venedig ging.

Aber ich war auch endlich mal am Po, besser gesagt im Parco al Po und auf dem Friedhof, der wirklich seeeeehr beeindruckend ist: er ist riesig, die Italiener stapeln meterhoch ihre Gräber übereinander und es gibt viele Gräber noch aus dem 19. Jahrhundert...
Inzwischen habe ich nun also auch wasserdichte und winterfeste Schuhe, dicke Pullis einen Mantel und ähnliches hier. Muss also nicht frieren, wenn es kalt werden sollte.

Wie immer sitze ich jetzt gerade in meiner Mittagspause zuhause. Es ist echt ätzend, dass hier immer dann, wenn ich frei habe alles zu hat. Jedes Geschäft, alle Ämter und so weiter schließen in der Zeit von 12:30 bis 16:00 Uhr, also genau dann, wenn ich Zeit hätte all so etwas zu erledigen. Und Montags hat fast alles den ganzen Tag geschlossen. Auch Restaurants, Bars und Cafés. Da ist die Stadt dann wie ausgestorben. Schon ärgerlich...


Gerade musste ich mich wieder am Hals kratzen. Genau an der Kehle hat mich nämlich eine fiese Mücke gestochen. Angeblich soll es hier ja sogar solche geben, die Malaria übertragen...
Was aber noch viel nerviger ist als die Mücken sind die Fliegen. Die kommen nicht nur zu den Restaurants und Cafés und surren um einen herum, sondern sie fliegen auch in die Vorlesungssäle und lenken einen dann ganz furchtbar ab - so ekelig!


Was mich auch sehr überrascht hat, sind unsere Nachbarn. Die, die unter uns wohnen spinnen nämlich. Dauernd hommen sie zu uns hoch und meckern, weil wir zuviel Lärm machen: mal knarzen die Bettrahmen zu sehr, mal ist der Fernseher angeblich zu laut, mal mache ich beim nach Hause kommen Lärm mit meinen Absätzen und wecke sie damit mitten in der Nacht auf. Die spinnen echt.

Wegen der Bettrahmen haben sie meinen Mitbewohnern neue Bettrahmen geschenkt. Heute haben sie uns einen Kuchen hochgebracht. Als Belohnung, weil wir in den letzten Tagen so brav waren. Und wenn wir weiterhin leise sind, kriegen wir öfter Kuchen, haben sie gesagt...
Das nenne ich mal Pawlow'sche Konditionierung! ;-)

Trotzdem gefällt es mir hier nach wie vor sehr. Die Stadt ist echt schön, die Uni ist toll und die Menschen alle sehr nett und hilfsbereit.

Freitag, 5. Oktober 2007

Anstrengend

Inzwischen bin ich seit anderthalb Wochen hier und habe jetzt meine erste Uniwoche überstanden. Das war ganzschön hart. Es ist wirklich anstrengend 2 Stunden lang einer Vorlesung auf italienisch zu folgen. Insbesondere wenn der Prof schnell redet und das Thema anspruchsvoll ist. Außerdem muss ich mich noch an die Terminologie hier gewöhnen. Statt die Töne und Tonarten mit "c, d, e, f, g..." usw zu benennen sprechen die Italiener immer von "do, re, mi, fa, so, la, si". Sie benutzen also die althergebrachten absoluten Solmisationssilben von Guido von Arrezzo (11. Jh.). Absolut heißt: dass z.B. sowohl ces als auch c und cis hier "do" heißen.

Was ich dagegen praktisch finde, auch wenn ich mich noch daran gewöhnen muss, ist dass auch bei der Chorprobe mit Solmisationssilben geübt wird. Als ich nämlich am letzten Dienstag zum ersten Mal bei der Chorprobe vom Unichor war haben wir die neuen Stücke eingeübt indem wir statt des Textes immer die Solmisationssilben gesungen haben. Insgesamt hat die Chorprobe großen Spaß gemacht. Die Atmosphäre ist locker und doch anspruchsvoll und die Stücke, die wir proben - "Prophetiae Sibyllarum" von Orlando di Lasso und derartiges - sind großartig. Am Ende haben wir dann noch mit "Hail Holy Queen" aus dem Film "Sister Act" angefangen, was einer der Jungs mitgebracht hatte. Die Jungs wollten auch mitsingen, aber das war nicht so ganz überzeugend...
Dieses Repertoire bietet eine interessante Mischung, wie ich finde. Am Ende der Probe wurde angekündigt, dass wir eventuell Chorreisen nach Firenze, Calabria und Prag machen werden - was ich total toll fände!

Ansonsten bin ich hier ein wenig an der italienischen Bürokratie gescheitert. Eigentlich wollte ich nur den Anweisungen folgen und eine Aufenthaltsgenehmigung beantragen, aber dann wurde ich von einem Amt zum anderen geschickt und jetzt habe ich noch immer nix in der Hand. Naja, vielleicht wird es ja nächste Woche klappen.


In den Tagen vor Uni-Beginn habe ich einige Streifzüge durch die Stadt gemacht und dabei die Fotos geschossen die ihr oberhalb seht. Die aus der Vogelperspektive habe ich vom Torrazzo aus gemacht. Der Torazzo ist 111 m hoch und damit angeblich der höchste Glockenturm Italiens.

Ich habe ja schön im Titel meines Weblogs deutlich gemacht, dass Cremona am Po liegt. Hier sieht man ihn in der ferne glitzern. Da es von mir aus doch ein ganzes Stück bis dahin ist, war ich noch nicht da. Mein Mitbewohner hat mir aber versprochen, dass ich seinaltes Rad haben darf. Dann werde ich da sicherlich mal hinradeln. Außerdem ist da auch das Schwimmbad und da will ich auch bald mal hin!
Das hier ist die Aussicht von "meinem" Balkon. Ist wirklich schön da rauszugehen. Aber auch die Aussicht von dem Balkon meines Mitbewohners auf das Zentrum ist nicht schlecht.
Ich sehe zwar fast dasselbe und noch mehr, aber bei ihm sind keine Kräne im Sichtfeld. In Cremona gibts nämlich unheimlich viele Baustellen.
So jetzt habe ich keine Lust mehr zu schreiben. Ein paar Fotos habe ich aber noch: