Montag, 19. November 2007

Cremona la dolce

Stimmt: es ist jetzt schon etwas länger her, dass ich geschrieben hab. Hätte nicht gedacht, dass einige von Euch so schnell schon meine News vermissen würden...

Am besten berichte ich in chronologischer Reihenfolge. Wie neulich schon angedeutet hatte ich inzwischen meinen ersten Auftritt mit unserem Fakultätschor. Rückseite des Doms von CremonaZur "Einweihung" des akademischen Jahres wurde nämlich im Teatro Monteverdi ein Hausmusikabend veranstaltet. Das studentische Organisationskommitee hatte von Unigeldern das Theater und einen Flügel angemietet und ein kostenloses Buffet und Getränke organisiert. Zunächst aber fand das Konzert statt. Ich war erstaunt von dem was auf dem Programmzettel stand: klassische Gitarristen die Granados und de Falla, aber auch "Neue Musik" spielten, ein Streichquartett, das Paganini spielte, ein Marimbaphon-Vibrafon-Duo, ein Pop-Sänger und eben wir, der Coro della Facoltà. Leider hielten die Interpreten nicht immer ganz was sie versprachen. Obwohl die Italiener fast alle neben der Uni noch am Konservatorium studieren, waren nur wenige von den Interpreten wirklich gut. Hervorragend waren allerdings das Marimba-Vibrafon-Duo und der Gitarrist der ein sehr avantgardistisches Stück Neuer Musik (Sonata op. 47 von Alberto Ginasta) vortrug. Zu guter Letzt waren dann wir mit dem Chor dran. Fröhliche WeihnachtDie Akustik im Theater war sehr trocken, was viele von uns noch zusätzlich verunsichert hat. Letztendlich haben wir die Stücke aber recht passabel hinbekommen und wurden sogar zu einer Zugabe aufgefordert. Danach wurde dann gefeiert. Leider war sehr schnell der Wein alle und um halb 12 wurden wir dann alle rausgeschmissen :-(
In der Chorprobe am darauf folgenden Tag haben wir dann mit der Einstudierung des Weihnachtsrepertoires begonnen. Auch das ist wieder ein Querschnitt durch alle Epochen.

die halbfertige OrgelIm Rahmen meines Organologia-Kurses habe ich die Restaurierung einer kleinen Orgel miterlebt. Zur Musikinstrumentensammlung unserer Fakultät gehört nämlich ein neapolitanisches Positiv aus dem Jahr 1833. Wir konnten an zwei Tagen den Restauratoren über die Schultern sehen und sie haben so ziemlich jedes Detail dieses Instrumentes erklärt. Leider hab ich nicht alles verstanden. Aber eines ist mir jetzt klar: So eine Orgel ist echt ein Wunderwerk des Instrumentenbaus...

Letzte Woche standen für uns alle Prüfungen an. Aula Magna - der große VorlesungssaalDie Italiener sind wirklich alle sehr fleißig. Die fangen nicht erst kurz vor den Prüfungen an zu büffeln, sondern pauken eigentlich das ganze Trimester über. Egal ob unter der Woche oder am Wochenende: viele nutzen echt jede Minute zum Lernen. Nach dem Chor noch was trinken gehn? "Nee, ich muss noch lernen!" Am Samstag abend ins Kino? "Nee, ich muss mit dem Lernstoff vorankommen, bin in Verzug!"...
Inzwischen habe ich herausgefunden dass die dann wirklich intensiv lernen. Konnte ich mir gar nicht vorstellen, aber es ist wirklich so. Aber auch ich habe natürlich gelernt. Während die Italiener unermüdlich schienen, habe ich mir allerdings immer wieder mal Pausen gegönnt. Schiss, dass ich es nicht schaffe, hatte ich schon, aber dann ist die Prüfung richtig gut gelaufen. Auch sprachlich war es erstaunlicherweise gar kein Problem.

Schwimmzubehör mit Badekappe :-( In meinen "Pausen" bin ich unter anderem auch Schwimmen gegangen. Das hiesige Schwimmbad hat leider nur ein 25 m Becken und ist meistens leider sehr überfüllt. Was auch doof ist, ist die Tatsache, dass Badekappen-Zwang herrscht. Und die Italiener schwimmen immer nur 25 m und machen dann Pause, weswegen man am Beckenrand nur selten wenden kann. Einmal war da während ich Schwimmen war, ein Schwimmkurs mit Jugendlichen. Die haben gerade Ziehen, Schleppen und Transportieren geübt. War sehr lustig ihnen zuzusehen, weil sie sich bei den Übungen so dumm angestellt haben.

Weihnachtliche BeleuchtungPassend zu den bestandenen Prüfungen stand dieses Wochenende das "Festa del Torrone" an. Für alle die ihn nicht kennen: Torrone ist eine typische Cremoneser Süßware, die aus Eiweiß, Mandeln, Nüssen, Honig und manchmal noch anderen Zutaten hergestellt wird. SEHR LECKER! Jedenfalls ist dieses "Festa del Torrone" hier ein riesiges Ereignis. Touristen strömen in die Stadt und das Zentrum ist dann voller Stände mit Süßkram. Zur Feier des Tages waren auch zum ersten Mal die Weihnachtsgirlanden erleuchtet und geschmückte Tannenbäume aufgestellt worden. Außerdem gab es ein mittelalterliches Spektakel und eine Lichtshow. Das konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen! Also bin ich mit Ananda, einer sehr netten Kommilitonin, losgezogen. Es ist unglaublich in welch tollen Varianten es Torrone gab. An einigen Ständen wurde mir von den Verkäufern hinterhergerufen: "Bionda, vuoi provare?" - natürlich wollte ich probieren! Hhhhmmm mjam! Neben Torrone gab es auch tolle Schoko-Stände. Hab dann auch ein bisschen Torrone und Schoko mit nach Hause genommen...

Eine sehr schöne Angewohnheit der Italiener ist es übrigens sich beim Verabschieden sozusagen "viel Spaß" zu wünschen. Während wir da nicht weiter differenzieren gibt es hier aber die Möglichkeit sich "buona lezione", "buon lavoro", "buon studio", "buona spesa", "buon cinema" und all sowas zu wünschen. Das ist echt nett!

So und jetzt kommt ein Schmankerl für euch:


Auf dem Weg habe ich übrigens nicht nur Bauernhäuser und Hühner gesehen. Vor mir ist auch ein Feldhase über den Weg gehoppelt :-)
Die Strecke (4km = 1 h gelaufen) war zwar ganzschön weit zum Laufen, aber am Ende wurde ich ja dann belohnt, wie ihr oben seht. Anschließend habe ich mich von drei netten Touristen im Auto mit zurück nach Busseto nehmen lassen. In Busseto hatte ich dann noch ein wenig Zeit und habe mir die Casa Barezzi angesehen. Das ist das Haus, wo der Mäzen Verdis lebte und die städtische Musikpflege förderte. Dort hat mich ein netter Herr herumgeführt, der von der Tatsache, dass ich eine interessierte deutsche Musikwissenschaftsstudentin bin, so begeistert war, dass er mir den Eintritt erlassen und eines der verkäuflichen Bücher über die "Terre Verdiane" geschenkt hat. Danach bin ich dann mit der Bahn zurück nach Cremona gefahren (hat nur 2,20 € gekostet). War wirklich ein toller Tag!!!

Samstag, 3. November 2007

Unsere neue Mitbewohnerin

Seit etwa einer Woche haben wir eine neue Mitbewohnerin. Sie ist noch recht jung und sehr verspielt. Wenn sie Hunger hat, schleicht sie immer um den Kühlschrank und bettelt um Leckerbissen. Sie krabbelt auch gerne in unsere Kleiderschränke und macht es sich dann zwischen unseren Pullovern gemütlich. Und wenn man sie auf den Arm nimmt dann schnurrt sie...
Wie sie heißt? Sie hat leider noch keinen Namen. Ich habe aber beschlossen, dass sie dringend einen Namen braucht und werde mich deshalb mal mit meinen anderen Mitbewohnern zusammensetzen.

Tja, nun ist dieses verlängerte Wochenende (wegen Allerheiligen) hier zuende und ich habe das irgendwie gar nicht ausgenutzt. Erst war ich so erkältet, dass ich lieber im Bett geblieben bin und als es mir besser ging hatte ich keine Lust mehr groß etwas zu unternehmen. Außerdem musste ich unbedingt ein bisschen mit dem Lernen voran kommen. Davon hat mich letzte Woche vor allem die Tatsache gehindert, dass ich ein Referat halten musste. Mein Prof hatte beschlossen, dass ich als deutsche Muttersprachlerin ja dazu prädestiniert wäre die Erlkönig-Vertonungen von Carl Loewe und Franz Schubert zu analysieren und zu vergleichen. Gemeinsam mit einer Kommilitonin habe ich das dann also getan. Ich bin ganz stolz auf mich: habe trotz meiner Erkältung und dem dicken Kopf, den ich schon hatte, das Referat gehalten, frei gesprochen und das laut meinen Kommilitonen auch gut gemacht...
Die Italiener scheinen alle noch wesentlich mehr auf ihre Eltern fixiert zu sein. Mit vielen kann man am Wochenende nichts unternehmen, weil sie jedes Wochenende nach Hause fahren. Dieses Wochenende ist es besonders schlimm: nur diejenigen, die von ganz weit her kommen, sind noch in Cremona geblieben. Wenn man jemanden gefragt hat "Was machst Du dieses Wochenende?" war die Antwort "Ich fahre nach Hause, zu meinen Eltern" fast vorprogrammiert...
Wenn ich hier durch die Straßen gehe hab ich immer das Gefühl es ist schon Weihnachten. Seit mitte Oktober haben die Italiener nämlich angefangen die Straßen weihnachtlich zu schmücken. Inzwischen ist die ganze Stadt voller Weihnachtsgirlanden und Lichterketten - die allerdings noch nicht angeschaltet werden.
Gestern haben Marianne und ich beschlossen, dass wir den Italienern mal ein bisschen deutsche Weihnachtskultur beibringen müssen: wir wollen gemeinsam mit unseren jeweiligen Mitbewohnern Adventskränze basteln und Weihnachtsplätzchen backen und uns dann jeden Adventssonntag nachmittags mit den Italienern bei Kaffee und Weihnachtsgebäck an den Adventskranz setzen...

Und noch eine Eigenart der Italiener lässt mich immer wieder den Kopf schütteln: die Eigenart immer auf Vorrat zu kaufen als müsste man Angst haben eine Woche später nix mehr zu bekommen. Bei meinen Mitbewohnern geht das soweit, dass sie solche Massen an Pasta kaufen, dass unsere Schränke davor überplatzen. Andere Italiener kaufen im Supermarkt kiloweise Klopapier und neulich habe ich einen Mann gesehen, der einen ganzen Einkaufswagen voller Chipstüten gekauft hat. Die spinnen!