Montag, 28. Juli 2008

letzter Eintrag aus Cremona

Nun ist es soweit: ich schreibe meinen letzten Eintrag aus Cremona. Morgen fliegt Kerstin zurück nach Berlin und nimmt meinen Laptop mit.
Inzwischen habe ich noch zwei Übersetzungsarbeiten für meine Professorin angefertigt, einen Ausflug nach Turin unternommen, Elisa in den südlichen Voralpen in der Nähe von Sondrio besucht, meine Geburtstags-/Abschiedsparty gefeiert und von meinen Freunden Abschied genommen, Besuch von Kerstin bekommen und mit ihr Bologna besucht, das dolce vita in Cremona genossen, Paket gepackt und "Abfälle" von netten Geigenbauern erbettelt. Diese Reste die sie nicht mehr brauchten bestanden zum Teil aus Hals und Wirbel, Klangdeckel und Steg. Aus den schönsten Teilen wird Kerstin wohl vermutlich etwas schönes basteln,was man dann vermutlich in ihrem Blog sehen können wird...

Mittwoch, 9. Juli 2008

Nochmal Ligurien und Pavia

ImperiaNach zwei Bestandenen Prüfungen habe ich mir vorletztes Wochenende maleine kleine Auszeit gegönnt. Cinzia hatte mich und Alice eingeladen sie in Ligurien in ihrem kleinen Dorf zwischen Monaco und Genua besuchen zu kommen. Strand Diese Gelegenheit kam wie gerufen, denn die Hitze war in diesen Tagen hier in Cremona kaum auszuhalten. Bei Cinzia verbrachten wir dagegen die Tage am Strand bzw, im Meer, wo hin und wieder auch mal eine leichtes Windchen wehte. Es war soooooo herrlich!
Cinzia wohnt in San Lorenzo, was wirklich niedlich ist und direkt am Meer liegt, aber glücklicher Weise noch nicht von Touristen heimgesucht wurde. Blick von der TerrasseVom Haus aus hat man einen Blick auf´s Meer und nachts hört man die Wellen rauschen. Cinzia´s Vater hat einen kleinen Nutzgarten und so gab es Obst, Gemüse, Kräuter und Oliven aus Eigenproduktion.
Abends waren wir meist in Diano Marina unterwegs, eines der nächsten Städtchen, in dem Cinzias Freund wohnt. CervoAn einem Abend waren wir in dem wunderschön gelegenen Cervo unterwegs, wo es ein "Wanderschauspiel" zu sehen gab. Aber nicht die Schauspieltruppe "wanderte", sondern wir: über das Dorf verteilt waren an verschiedenen Punkten Schauspieler stationiert zu denen wir in Zuschauergruppen von "Engeln" hingeführt wurden, bis wir letztendlich alle Stationen abgearbeitet hatten und dann mit den anderen Gruppen gemeinsam das große Finale vor der Hauptkirche ansahen. Wirklich eine schöne Idee!

Am letzten Wochende war ich dann mal wieder mit dem Chor in Pavia wo wir bei der feierlichen Diplomsvergabe-Zeremonie mit anschließendem Buffet sangen. Wahnsinn, was für einen Aufwand die Italiener da betreiben! Erst marschierten die Präsidenten der Fakultäten in traditionellen Roben ein, dann wurden Reden gehalten und anschließend allen Studenten, die im vergangenen Jahr mit Auszeichnung abgeschlossen hatten (und das waren wirklich nicht wenige) persönlich das Diplom samt einer schicken Verwahrungskapsel überreicht.

Mittwoch, 25. Juni 2008

Radau

Seit nunmehr vier Wochen habe ich eine Baustelle genau vor dem Haus. Und seit 4 Wochen werde ich fast jeden Morgen um 7 von dem Baulärm geweckt. Hinzukommt, dass der Krach es mir auch erschwert mich auf´s Lernen zu konzentrieren. Deshalb finde ich,ist es jetzt an der Zeit sich öffentlich aufzuregen: Verdammte,Sch.... Baustelle! Können die Bagger und Lastwagen und all das schwere Gerät nicht leise arbeiten??? Ich krieg hier noch die Krise!!! Außerdem stellen die uns alle paar Tage (manchmal ohne Vorwarnung) stundenlang das Wasser, Gas oder die Elektrizität ab. In Deutschland hätte da schon längst jemand auf Mietminderung geklagt...

Mit meinem Chor hatten wir übrigens mal wieder ein Konzert. Diesmal hier in Cremona. Zu hören gab es ein buntes Gemisch von geistlicher Chormusik. Der erste Teil beinhaltete sogar eine "Uraufführung". Wir sangen das Kyrie und das Gloria einer bisher unveröffentlichten Messe von Gastoldi (Zeitgenosse von Monteverdi), zu der ein Absolvent unserer Fakultät als Abschlussarbeit eine kritische Edition angefertigt hat. Der Chor wird die ganze Messe im September in Reggio Emilia und in Mantua aufführen, wenn ich leider nicht mehr hier sein werde.

Im zweiten Teil des Konzerts sangen wir dann verschiedene kurze Werke aus Barock bis heute. In dem Video oberhalb seht und hört ihr einen Ausschnitt aus "Rex autem David" von dem zeitgenössischen Komponisten Marco Crestani. Das Video hat Noemi für mich gemacht. :-)

Dienstag, 17. Juni 2008

Treviso, Ligurien,Vivaldi und die Scala

Ein guter Freund von mir, Marco, hatte mich und Noemi schon vor einiger Zeit eingeladen ihn in Treviso (im Veneto) zu besuchen. Nach einer ewigen Terminsuche haben wir das dann mitte Mai auch endlich geschafft. Noemi und MarcoAm Bahnhof holte uns dann der Bruder von Marco ab und nach einer himmlischen Pizza, von Marcos sizilianischer Oma gebacken, machten wir uns dann auf um eine Stadtbesichtigung bei Nacht zu machen. Treviso ist wirklich wunderschön: kleine Kanäle und Brücken erinnern an das nahegelegene Venedig, alte Mühlräder an die Vergangenheit, die Fontana delle Tette (der Busen-Brunnen) an einstige Völlerei und das vollständig erhaltene Stadtmäuerchen samt Graben ein wenig an die Spandauer Zitadelle. Treviso Anschließend trafen wir uns in einer Osteria mit Freunden von Marco und Dario (dem Bruder) und wurden auf Prosecco und Grappa aus der Gegend eingeladen. Eigentlich wollten wir ja auch an den nächsten Tagen ein bisschen was unternehmen,aber da es wie aus Eimern schüttete blieben wir einen Großteil des Tages im Haus. Abends stand dann der Geburtstag von Marcos anderem Bruder an, wodurch wir in den Genuss einer italienischen Familienfeier kamen. Die Verwandtschaft, teils Sizilianer, teils Venezianer (darunter ein echter venezianischer Gondoliere) konnte ich - trotz der Dialekte - gut verstehen, worauf ich sehr stolz bin! :-)
Trotz des anhaltenden Regens genossen wir also die Tage in Treviso. Am letzten Tag gingen wir morgens in die Kirche (fast alle meine Freunde hier gehen regelmäßig einmal in der Woche zum Gottesdienst), und machten dann einen Ausflug zum nahegelegenen Canova-Museum.

Ligurien Nur eine Woche später war ich schon wieder unterwegs: meine Eltern sammelten mich auf dem Weg in den Urlaub nach Ligurien ein und nahmen mich für ein Wochenende mit dorthin. AlassioDoch auch da war Petrus mir nicht gut gesonnen und so musste ich auf ein Bad im Meer verzichten :-(
Die Orte an der ligurischen Küste, die ich gesehen habe, sind zwar recht hübsch, aber für meinen Geschmack etwas zu touristisch. Was mir allerdings sehr gefiel war die kleine Insel in Schildkrötenform vor Alassio.

Blaubarts BurgNach diesen zwei Kurzurlauben konzentrierte ich mich wieder ganz auf die Uni: ich machte mit einem meiner Kurse zwei Exkursionen zur Scala. Eine ging zu den Werkstätten, wo wir die gigantischen Hallen zu sehen bekamen, in denen die Bühnenbilder und Kostüme hergestellt und z.T. aufbewahrt werden, was wirklich beeindruckend war. Vor allem die Massen an Kostümen und Accessoires, die dort hergestellt wurden und die unzähligen Menschen, die dort arbeiteten hätte ich so nicht erwartet. Außerdem konnten wir einer Regie-Probe zu "La Traviata" auf der Probebühne zusehen. La Traviata
Die zweite Exkursion ging direkt zum Teatro alla Scala, wo wir hinter den Kulissen herumgeführt wurden und in das Teil an der Decke, über dem Kronleuchter, gehen durften. Anschließend an beide Exkursionen konnten wir dann die Hauptproben für "Il Prigioniero/Blaubarts Burg" und "La Traviata" ansehen.

Danach ging es dann richtig mit der Arbeit für die Uni los: ich bekam die Aufgabe ein Referat über die Aufführungspraxis von Vivaldis "Orlando furioso" zu halten, incl. Rekonstruktion der Instrumentierung und einer "kritischen Edition" einer Arie, die ich aus dem Manuskript auswählen und mit möglichen Ornamentationen versehen sollte. Zu Anfang fühlte ich mich mit dieser Aufgabe überfordert, aber am Ende lief das Referat dann doch ganz gut.
Danach ging es an´s Lernen für die mündlichen Prüfungen. Inzwischen ist die Vorlesungszeit hier vorbei und ich habe die erste der letzen vier Prüfungen hinter mir. Ab morgen wird dann weitergelernt...

Freitag, 9. Mai 2008

Barock-Tanz, ein echter Figaro, Blues und Laurea

Diesmal gibt es wirklich viel zu erzählen. Damit ich nix vergesse, versuche ich mal die Ereignisse in ihrer Reihenfolge zu rekonstruieren. Nachdem Niko weg war, habe ich zwei Wochen mit dem Lernen für die anstehenden Prüfungen verbracht. Man konnte in dieser Zeit auch gar nichts anderes tun, denn alle meine Freunde waren sooo beschäftigt, dass sie der Meinung waren sich keine Ablenkung genehmigen zu können. Also bestanden diese Tage aus reinem Lernen und Einsamkeit und Frieren am Schreibtisch. Letzteres deshalb, weil meine Mitbewohner mir verboten die Heitzung anzuschalten. Nur zwei Ausnahmen gab es: Die erste war der "giorno delle lauree", der Tag an dem zwei meiner Freundinnen ihren Bachelor bzw. ihren Master machten. Ich ließ also das lernen ab der Mittagszeit sein und drückte stattdessen Cinzia und Luisa die Daumen und hörte bei Ihren mündlichen Verteidigungen der Abschlussarbeiten zu, wofür viele Freunde und Familienangehörige angereist waren. Besonders feierlich wurde es als Cinzia dran war, denn für Master-Kandidaten kleiden sich die Professoren im Kommitee in schicke Roben. Außerdem erhielt Cinzia ein "con lode" und wurde für den Enthusiasmus in ihrer Arbeit gelobt. Danach musste natürlich gefeiert werden: erst mit der Familie und dann später am Abend mit den Freunden.
Die zweite Ausnahme war das Blues-Konzert der Band eines guten Freundes. Das war das erste Mal seit Ewigkeiten, dass ich mal wieder nicht-klassische Livemusik zu hören bekam. Nicht nur deshalb war ich wirklich begeistert. Die Jungs der Relic Blues Band waren WIRKLICH SAUGUT! Perfektes Zusammenspiel, großartiges Entertainment und echtes Improvisationstalent.

Nach den Prüfungen standen dann gleich zwei verlängerte Wochenenden an: das erste dank des "giorno della liberazione" (Tag der Befreiung), das zweite wegen des ersten Mais. Den "giorno della liberazione" beging ich mit ein paar Freunden pizzaessend am Domplatz. Danach gab´s das inzwischen fast obligatorische Eis, weil eine meiner Freundinnenden den Kellner der Eisdiele so schnuckelig fand. Beim flanieren danach entdeckten wir dann, dass in der Piazza Roma ein Live-Konzert stattfand,wo eine wirklich gute florentiner Band (Train de vie) spielte. Deren Musik gefiel mir sehr gut. Das ganze war zugleich auch politische Aktion, bei der daran erinnert wurde, dass Italien trotz oder gerade wegen der Wiederwahl Berlusconis nicht in alte Muster zurückfallen dürfe.
In den darauffolgenden Tagen brachte Langeweile mich dazu, in Mailand shoppen zu gehen und mir die Haare bei einem italienischen "Figaro" ;-) schneiden zu lassen.
Eigentlich hätten dann die Vorlesungen wieder beginnen sollen, aber wegen des noch ausstehenden verlängerten Maiwochenendes haben unsere Professoren den Vorlesungsbeginn um eine Woche verschoben. Daher nutzte ich einen der freien Tage um einen Ausflug nach Pavia, zum Hauptsitz meiner Uni zu machen. Pavia an sich ist schon sehr hübsch, aber regelrecht verliebt habe ich mich in die Uni. Sie ist nach Bologna die zweitälteste Universität überhaupt und setzt sich aus einem Gebäudekomplex mit unzähligen idyllischen Innenhöfen zusammen. In den Höfen sitzen die Studenten zwischen bewachsenen Bogengängen, Palmen und kleinen Brunnen und lesen oder studieren gemeinsam - in SO EINER Atmosphäre würde ich auch gerne lernen!
Nach einem Spaziergang hinunter zum Ticino-Fluss, wo man eine sehr schöne Sicht auf die Stadt hatte, bin ich dann zur Basilica San Pietro in cielo gepilgert,wo der große (Musik-)Philosoph Boetius begraben liegt. In Auftrag eines Freundes und auch im eigenen Interesse habe ich dann eine (leider elektrische) Kerze vor seinem Grabmahl "angezündet".

Inzwischen haben endlich die Vorlesungen wieder angefangen. Dieses Semester besuche ich besonders interessante Lehrveranstaltungen. Zu einer davon gehört auch ein Seminar über barocken Tanz. Heute haben wir dort gelernt wie man mit Hilfe verschiedener historischer Quellen wie z.B. Traktaten die verschiedenen Tänze (Allemande, Sarabande, Gigue, Menuett usw.) rekonstruieren kann. Nebenan ist ein Beispiel für eine notierte Tanzchoreografie aus einem Traktat des barocken französischen Choreografen Raoul Feuillet zu sehen, der eine der wichtigsten Quellen darstellt. Tatsächlich haben wir dann selbst barocke Tänze getanzt. Erst eine englische Gigue nach einem Vorbild aus einer Purcell-Oper und danach eine Bourèe, einen französischen Hoftanz.
Jetzt gleich werde ich mal wieder mit Freunden Eis essen gehn. Schließlich ist es hier jetzt wirklich Sommer geworden :-)

Sonntag, 13. April 2008

Von Überraschungseiern, Freunden und Politik

Zwar ist es jetzt schon wieder ein weilchen her, doch Ostern hier in Italien hat mich ein wenig beeindruckt. Zur Osterzeit gibt es hier nämlich überall riesige Oster-Eier aus Schokolade, in denen wie in Ü-Eiern kleine Überraschungen stecken. Diese Eier sind bis zu 30 cm groß und kosten bis zu 45 Euro. Und sowas verschenken die Italiener dann an ihre Kinder. Das ist der reinste Kapitalismus. Und ich dachte immer, dass Italien als katholisches Land viel Wert auf die religöse Bedeutung des Osterfestes legen würde.
Die armen Kinder hier wissen auch gar nicht was ein Osterhase ist und haben ihre Eier noch nie gesucht, sondern immer nur in die Hand gedrückt bekommen.
Allerdings ist es hier wohl üblich mit echten (meist rohen) Eiern zur Oster-Messe in die Kirche zu gehen und die Eier segnen zu lassen ehe man sie beim Oster-Essen verspeist.

Gemeinsam mit Sebastian,der mich während der Osterferien besucht hat, habe ich dann die verrücktesten Ostereier bestaunt. Außerdem haben wir Parma besichtigt und sind stundenlang durch so ziemlich alle Cremoneser Supermärkte gezogen, denn "da lernt man soviel über die Kultur eines Landes" ;-).
Gemeinsam sind wir dann nach Berlin geflogen,wo ich leider nur zwei kurze Tage bleiben konnte, weil danach die Uni wieder weiterging.

Nach 1 1/2 Wochen kam dann Niko zu Besuch, mit dem ich ein paar wunderschöne Tage verbrachte: wir haben ein Picknick im Park am Po veranstaltet, wofür wir frische Erdbeeren und eine Ananas vom Markt gekauft hatten. Leider hat mich dann der Heuschnupfen voll erwischt und ich war für den Rest des Tages zu nix mehr zu gebrauchen.
Am nächten Tag sind wir nach Mantua gefahren, wo wir unter anderem ein wunderschönes Theater "in Betrieb" genommen haben ;-). Von Mantua aus ist Niko dann weitergezogen, um erst eine Freundin in Vicenza zu besuchen und dann Venedig zu besichtigen.
Gleich nachdem Niko weg war habe ich angefangen zu lernen, denn nächste Wochen stehen mal wieder Prüfungen an. Jetzt habe ich schon drei Trimester hinter mir und nur noch 3 1/2 Monate hier...

Da fällt mir ein: heute ist ein wichtiger Tag für Italien: heute (und morgen,weil die Italiener das nicht an einem Tag gebacken kriegen) sind hier Präsidentschaftswahlen. Mein Eindruck ist,dass die Italiener ziemlich schlecht organisiert sind,was das angeht: viele meiner Kommilitonen haben sich beklagt,dass sie nicht wählen gehen können,weil sie dazu in ihre Heimatstadt fahren müssten, was momentan aber nicht drin ist, weil sie sich ja auf die Prüfungen vorbereiten müssen. Hier ist es nämlich nicht möglich per Brief zu wählen. Oder besser gesagt: die Italiener, die im Ausland leben, durften ihre Stimme per Brief abgeben, während diejenigen die wegen Studium, Arbeit oder aus anderen Gründen in einer anderen Region leben und nicht einfach mal in die Heimatstadt fahren können, nicht an der Wahl teilnehmen können...

Mittwoch, 12. März 2008

Trautes Heim...

mein SchreibtischNach dem Ausraster meines Nachbarn ging alles recht schnell. Ich habe beschlossen so schnell wie möglich umzuziehen, habe eine neue Unterkunft gesucht und die perfekte WG gefunden. Am Mittwoch, dem 05.03.08, habe ich die neue WG bezogen. Die Lage ist optimal: ich wohne jetzt genau zwischen Uni und Zentrum im Corso Garibaldi, direkt gegenüber vom Geburtshaus Antonio Stradivaris. mein BettWer genau wissen möchte, wo das ist, kann diesen Link zu Googlemaps nutzen.
Mein Zimmer ist schön groß und für mich optimal eingerichtet: Ein Großer Schreibtisch, ein Sessel, ein Schrank, eine Kommode, ein Raumteiler-Regal und ein breites Bett.mein Home Entertainment Meine Vormieterin hat mir sogar ihre Stereoanlage und ihren Fernseher dagelassen. Auch die restliche Wohnung ist riesig. Wir haben eine schöne Küche, einen Gemeinschaftsraum, ein Gästezimmer und zwei Badezimmer, wobei das eine mehr als Waschküche benutzt wird.
Meine Mitbewohner hier sind eine Sardinierin und ein Sizilianer. Beide haben Musikwissenschaft studiert. GemeinschaftsraumMein Mitbewohner Marco schreibt gerade seine Doktorarbeit und Alessia, meine Mitbewohnerin, absolviert gerade einen berufsvorbereitenden Kurs an der Accademia della Scala in Mailand. Außerdem haben wir etwa einmal im Monat für ein paar Tage einen "Untermieter": ein recht bekannter Bariton, der dann und wann in unserem Gästezimmer unterkommt.
Jedenfalls fühle ich mich in meiner neuen Wohnung sehr wohl und freue mich jedesmal über den Anblick des Stradivari-Hauses, wenn ich aus meinem Fenster gucke.
Inzwischen habe ich mich schon recht gut hier eingelebt und fühle mich sehr wohl. Nur schade dass der gute Penny-Markt jetzt so weit weg ist und meine alten Raudau-Brüder und -Schwester samt Katze vermisse ich auch ein bisschen...

Orgel von Giovanni PradellaVor einigen Tagen war ich mal wieder auf Exkursion. Diesmal bin ich mit meinem Geschichte-der-Musikinstrumentenrestauration-Kurs in ein Dorf nur wenige Kilomester östlich vom Nordende des Comersees gefahren. Dort haben wir erst eine restaurierte Barock-Orgel besichtigt, dann wurde uns eine neu gebaute wunderschöne Orgel vorgeführt Orgelpfeifenund zu guter Letzt wurden wir durch eine Orgelbau-Werkstatt geführt. Vor allem das war beeindruckend, denn dort wird gerade eine echte Antegnati-Orgel restauriert. Die Antegnatis galten als eine der besten Orgelbau-Familien und ihre Instrumente zählen zu den wertvollsten überhaupt.
Bleigießen für GroßeAußerdem werden die Orgelpfeifen in dieser Werkstatt alle per Handarbeit und aus dem Mittelalter überlieferten Techniken gefertigt. Wir konnten dort also zusehen wie das Bleigemisch in Platten gegossen wurde und ließen uns alle weiteren Schritte, wie das Aufrollen und Löten sowie das Herstellen der Mundstücke und das Stimmen der Pfeifen erklären.

Wirklich beeindruckend was da alles hintersteckt. Genauso beeindruckend ist, wieviel Wissen und handwerkliches Können es erfordert eine Orgel zu bauen oder zu restaurieren.

nach der Eroerung des DomsNoch vor meinem Umzug hatte ich einen sehr kurzen aber schönen Besuch von Judith. Mit ihr habe ich die Mailänder Kirchen unsicher gemacht und in Bergamo ausgiebiges Shopping unternommen. Zu guter letzt haben wir uns in Mailand mit Heike getroffen, die wir vor 1 1/2 Jahren bei unserem Apulien-Urlaub kennengelernt hatten...

Dienstag, 19. Februar 2008

Höllische Nachbarn

der TATORTSchon seit meine Mitbewohner und ich in dieser Wohnung wohnen, beschweren sich die Nachbarn, die unter uns wohnen, über unseren angeblichen Lärm. Sie empfinden es als Lärmbelästigung, wenn wir abends vorm Schlafengehen duschen oder nachmittags unsere Stühle verrücken, um uns darauf zu setzen oder um darunter zu putzen.

die KRACHMACHER: meine Mitbewohner Lillo & Bea mit DER DEUTSCHENKurz vor Weihnachten erhielten dann meine Mitbewohner einen Brief in dem Stand, die Nachbarn würden nicht mehr mit uns reden wollen, denn das brächte ja sowieso nichts und sie würden sich etwas überlegen, wenn das so weiterginge. Meinem Mitbewohner Lillo sagten sie einmal als sie meckerten, von "der Deutschen" würden sie schon gar nicht mehr sprechen, die würde eh immer Rasau machen. Kurz nach den Weihnachtsferien riefen sie dann zum ersten Mal wegen unserer angeblichen Ruhestörung die Polizei. Die traf ein, als wir gerade friedlich in der Küche saßen und zu abend aßen. In den letzen Wochen war die Polizei nun insgesamt 5 Mal hier.
Strand von BordigheraAls ich letzten Montag kurz vor 19 Uhr die Küche putzte und meine Mitbewohner alle unterwegs waren, klopfte es auf einmal an der Tür als wolle sie jemand einschlagen. Als ich noch auf dem Weg zur Tür war, hatte der Nachbar von unten diese bereits aufgerissen und war in den Flur gestürmt, denn unglücklicherweise ist außen eine Klinke angebracht, so dass man die Tür immer öffnen kann, wenn nicht abgeschlossen ist. Jedenfalls stand der Nachbar schon vor mir im Flur als ich zur Küchentür heraustrat.
amicheVollkommen außer sich fing er an zu brüllen, was mir den einfiele solch einen Lärm mit den Stühlen zu machen, nahm einen der Stühle und knallte ihn auf den Fußboden. Dann riss er mir so sehr an meinem Pulli, dass die Nähte krachten und ich auf ihn zugehen musste. Im gleichen Moment hielt er mir immer noch schreiend die Faust ins Gesicht. Immer noch vollkommen wuntentbrannt fing er zudem an mich mit der anderen Hand an der Schulter zu stupsen. Ich hatte wirklich Angst vor diesem Wahnsinnigen und konnte nichts erwiedern, außer zu fragen ob er verrückt sei. Er schrie nur, dass meine Mitbewohner und ich verrückt seien, wich aber nicht von der Stelle und ließ mich nicht in Ruhe. Ich war völlig in Panik, fühlte mich ernsthaft bedroht und wollte nur dass er verschwindet, schaffte es aber nicht ihn loszuwerden. Seine Frau stand die ganze Zeit über hinter ihm im Hausflur und unternahm rein gar nichts. Sagte dann nur irgendwann leise etwas wie "Basta, Franco" zu ihm. Ich weiß nicht mehr wie, aber irgenwann waren sie dann raus und ich schloss panisch die Tür ab.
Canale GrandeDanach gingen die beiden in unserem Haus von Tür zu Tür und versuchten offensichtlich die Nachbarn aufzuhetzen.
Kurze Zeit später kamen zwei meiner Mitbewohner nach Hause. Ich erzählte ihnen was passiert war und Beatriz versuchte den Vermieter anzurufen als es an der Tür klingelte und die Polizei hereinkam. Sie begannen mal wieder uns zu belehren wir müssten die Regeln der Ruhezeiten beachten, aber ich unterbrach sie und erzählte meine Geschichte.
Svenja + TaubenDie Polizisten konnten gar nicht glauben was ich da erzählte und fragten mehrmals nach ob das stimme was ich da erzähle zumal sie sagten sie wären quasi zur selben Zeit, zu der das ganze passiert war, von unseren Nachbarn angerufen worden waren. Offensichtlich hatten die also vorher angerufen und waren dann erst hochgekommen.
Die Beamten sagten mir dann, dass ich bei der Questura, der zuständigen örtlichen Behörde, Anzeige erstatten könne. Genau das tat ich dann am nächsten Morgen in Begleitung meiner Mitbewohner.
San MarcoJetzt wollen wir alle nur noch hier raus. Leider haben meine Mitbewohner im Mietvertrag 3 Monate kündigungsfrist und können daher erst frühestens ende April hier raus. Ich habe daher beschlossen mir allein irgendwas zu suchen, damit ich so schnell wie möglich hier raus kann...

Kirche in BordigheraEs gab aber auch noch andere Ereignisse, die weniger negativ waren. Mit meinem Chor war ich nämlih mal wieder auf "Kurztournee": wir sind mit dem Reisebus nach Bordighera an der Ligurischen Küste ("Blumenriviera") gefahren. Dort hatten wir ein Konzert in einer ehemaligen Kirche. Das war wirklich ein schöner Ausflug! Die Ligurische Küste ist wunderschön, alles blüht, die Sonne strahlte, wir saßen am Strand und sangen in dieser Ex-Kirche die unter Palmen steht.

Casanova und SvenjaDann kam Svenja zu Besuch und machte mit mir zunächst Cremona und dann Venedig unsicher. Sie wollte nämlich sooo gerne mal dahin, und ich wollte nur aus diesem Irrenhaus hier raus, also waren wir zwei Tage da.
Dann gab es noch ein trauriges Ereignis: Marianne ist weg. Für sie ist die Austauschzeit vorbei und sie geht zurück nach München. Ich wollte ja eigentlich nie so viel mit den anderen Austausch-Studenten zu tun haben, schon gar nicht mit den deutschen. Bei Marianne, war das aber irgenwie was anderes. Auch wenn sie entgegen unserer Abmachung dauernd deutsch mit mir gesprochen hat, ich war froh, dass sie da war. Besonders an dem Abend als das mit den Nachbarn war. Jedenfalls hat sie am Donnerstag ihren Abschied gefeiert und ist nun weg. Nebenan ist unser Abschiedsfoto zu sehen...